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Stopp! Ich bin die Chefin!

Wo bleiben die zuverlässigen Helfer für meinen Alltag?

Mit verschränkten Armen sitze ich Julian (Name geändert) gegenüber, verwirrt, schockiert und komplett überrumpelt. Er hat gerade über meinen Kopf hinweg entschieden, wann er einen Urlaubstag nimmt. Ich nahm diesen Satz einfach so hin, als ob er der Arbeitgeber wäre. Dabei ist es genau andersherum. Ich fühlte mich in diesem Moment der Situation ausgeliefert – unfähig zu reagieren.

Herausforderung, zuverlässige Helfer zu finden

Es ist verdammt schwierig, zuverlässige Helfer zu finden. Wenn eine Assistenz so von oben herab mit mir umgeht, schwindet mein Vertrauen. Ich habe dann das Gefühl, dass meine Abhängigkeit von der Assistenz ausgenutzt wird, um eigennützige Entscheidungen zu treffen. Ich möchte mich bei einer Assistenz sicher fühlen und spüren, dass sie mich jederzeit ernst nimmt. Sonst ist die Zusammenarbeit frustrierend und kann zu Verzweiflung führen.

Die Suche nach einer neuen Assistenz oder die Beibehaltung der bisherigen ist mehr als kompliziert. Ich fühle mich oft ratlos oder verloren, da Zuverlässigkeit in unserer Gesellschaft zunehmend zur Seltenheit wird. 

Die Nerven liegen blank, wenn ich regelmäßig mit unzuverlässigen Assistenzkräften konfrontiert werde.

Frustration: Wenn Unterstützung scheitert

Die Suche nach passenden Assistenten ist langwierig u. kann zwei bis drei Monate dauern. Bewerbungsgespräche sind geprägt von Höhen u. Tiefen. Ich hatte bereits so viele Unterhaltungen, dass ich mittlerweile keine Erwartungen mehr habe. 

Ich frage mich oft:

“Denken  die Menschen überhaupt noch mit, wenn sie sich auf eine Stelle bewerben?”

Meist suche ich über eBay Kleinanzeigen, gebe lokale Anzeigen auf u.  nutze Instagram.

Es ist mir wichtig, von Anfang an offen und direkt über die Bedingungen zu sprechen. Doch die Kommunikation läuft nicht immer reibungslos. Heute bin ich deutlich klarer im Formulieren meiner Bedürfnisse und Erwartungen mit den Bewerbern im Vergleich zu früher.

Eine Assistenz od. mehrere Assistenten im Alltag zu haben, ist entscheidend für die Selbstständigkeit und Lebensqualität von mir sowie für alle anderen Menschen mit Einschränkungen. Assistenten leisten praktische Unterstützung, fördern persönliche Entwicklung und soziale Integration. Nur die wenigsten wissen, was eine Assistenz ist und was für Aufgaben damit einhergehen.

Hausschlüssel steckt im Schlüsselloch
Für ein selbstbestimmtes Leben in meinen eigenen vier Wänden sind AssistentInnen unverzichtbar.
(Foto: Pexels/Alena Darmel)

Dennoch ist vielen Bewerbern die Verantwortung, die dieser Job mit sich bringt, nicht bewusst. Manche erscheinen gar nicht erst zum Gespräch, während andere leere  Versprechungen abgeben, die sie letztlich nicht einhalten. Diese Unzuverlässigkeit ist frustrierend u. führt zu Enttäuschungen: Ich bin es leid ständig auf diese wiederkehrende Probleme gestoßen zu werden.

Was erwarte ich also von meinen Assistenten:

  • Zuverlässigkeit
  • Pünktlichkeit
  • Bedürfnisorientierte Unterstützung
  • Teamgeist
  • soziales Engagement als Hauptmotivation, kein ausschließlich finanzielles Interesse am Job – aber, dass ich eine Person bezahle, wenn sie für mich arbeitet, ist klar

Kampf um Unterstützung: Herausforderungen mit Assistenten

Mein Alltag mit Assistenz besteht aus zahlreichen Hürden. Es ist oft schwierig, klar zu definieren, wobei die Assistenz unterstützen soll, insbesondere bei den unterschiedlichen Charakteren u. Aufgabengebiete, die ich erlebe. Besonders in der Haushaltsführung u. Alltagsbegleitung treten manchmal Herausforderungen auf.

Im Haushalt beispielsweise habe ich eine hervorragende Assistenz, die meine Wohnung sauber hält, was mir sehr wichtig ist. Allerdings kann es herausfordernd sein, meine Wünsche klar zu kommunizieren, u insbesondere gegenüber dominanten Personen mit viel Selbstvertrauen. 

Bei einfachen Dingen, wie der Zubereitung von Salatsauce oder der Mengenangabe für Haferflocken in meinem Smoothie zum Frühstück, kann es zu Missverständnissen kommen. 

Ein weitere kritischer Punkt sind Themen wie Gehalt, Urlaub u. die Verträge der Assistenten. Glücklicherweise habe ich einen tatkräftige Assistenz, die mich in solchen Konfliktsituationen unterstützt. Sie ist eine große Stütze, wenn es zu Differenzen zwischen mir u. der Haushaltshilfe kommt.

Assistenz im Alltag für Menschen mit Einschränkungen

Bereits seit über einem Jahr wohne ich in meiner 47 m² Wohnung. Im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich ein gutes Stück weiter gekommen. Die Bereiche Haushalt, Behördenangelegenheiten u. der Bereich Sport sind mit Assistenten, die sehr gute Arbeit leisten, abgedeckt. Dennoch gibt es weiterhin viele Baustellen bei mir. Meine Eltern übernehmen aktuell viele Aufgaben, einschließlich Arzttermine und Erledigungen.  Zudem suche ich verzweifelt nach einer Lernassistenz im Bereich Radio-Journalismus. Ab Januar 2026 beginnt die Zusammenarbeit mit einer ehrenamtlichen Einkaufshilfe, die mir zusätzlich Unterstützung bietet.

Ich versuche einerseits auf mein Bauchgefühl zu hören, andererseits bin ich dringend auf Unterstützung angewiesen und muss manchmal für eine zeitnahe Unterstützung in einem bestimmten Bereich doch Kompromisse eingehen.

Dringender Bedarf: Qualifizierte Assistenz für Menschen mit Behinderungen

Wichtig ist: Mit Unterstützung von Assistenten kann ich an meinen Zielen und Träumen festhalten und für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen, was für Menschen ohne Einschränkung selbstverständlich ist.

Für mich bedeutet Assistenz mehr Lebensqualität. 

Meine Zeit im Wohnheim verbinde ich mit Schmerz, Traurigkeit die ich unter meinem Kissen vergraben habe, u. dem Gefühl des Alleinseins. Am schlimmsten war die Furcht nie aus dem Wohnheim herauszukommen, u. Mein Leben dort zu verbringen. Noch heute denke ich ungern an diese Zeit zurück. Ich nehme aus diesen Erlebnissen mit, wie wichtig die qualifizierte Assistenz für Menschen mit Einschränkungen ist.

Das hat nichts mit Luxus oder mit besonderem, Bedürfnissen zu tun, sondern ist das gute Recht eines jeden Menschen.

Dennoch wird ein Großteil der Menschen mit Behinderung von der Gesellschaft ausgeschlossen.

Ständige Absagen von Bewerbungsgesprächen oder bereits vereinbarten Arbeitsstunden sind nach wie vor Realität. Das erschwert den Alltag und beeinflusst das Selbstbewusstsein erheblich.

Deshalb schätze ich die wenigen zuverlässigen Helfer in meinem Team. 

Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Verständnis von meinen Mitarbeitern für mich und generell für Menschen mit Einschränkungen, gleichzeitig mehr Begeisterung für diesen Aufgabenbereich.

Die Ausbildung u. die Verfügbarkeit von qualifizierten Assistenten müssen von offizieller Seite verbessert werden, wenn Menschen vom Amt ein persönliches Budget erhalten, um ihr Leben zu organisieren. Denn wie soll das gehen, wenn es am Arbeitsmarkt kaum AssistentInnen gibt? Anmerkung: Assistenzdienstleister gibt es beispielsweise eher in Großstädten als in kleinen Dörfern und ihre Hilfe kostet meist mehr als 15-20 € Stundenlohn.

Schlüssel zu effektiver Assistenz: Bedürfnisse erkennen

Ich frage mich, was potenzielle Assistenten benötigen, um zuverlässig zu sein. 

Teilt eure Erfahrungen als Assistenten oder Menschen mit Einschränkungen. 

Welche Tipps habt ihr zur Organisation der Assistenz?  

Schreibt mir gerne ein Mail an hallo@rikas-blog.de

Veränderungen beginnen mit unserem Engagement für Inklusion und Barrierefreiheit.

Hausschlüssel steckt im Schlüsselloch

Verzweifelte Suche nach barrierefreier Wohnung findet ein Ende 

Mein Traum scheitert an der Realität: Warum ich jetzt auf dem Land statt in der Stadt leben muss

Ich sehe nichts weiter außer Beton, Staub und Zement. Nach 4 Jahren intensiver Wohnungssuche ist mein Luftschloss wie eine Seifenblase zerplatzt.  Anstatt in die pulsierende Metropole Berlin, wie ich es mir erträumt hatte, führte mich  mein Weg in ein Neubaugebiet auf dem Land. Ehrlich gesagt, das war schon immer mein Albtraum. Die Vorstellung, in der Nähe  meiner Eltern zu wohnen, habe ich lange Zeit abgelehnt, weil es sich anfühlte wie ein Rückschritt. Statt den aufregenden urbanen Lebensstil zu genießen, stehe ich jetzt in einem grauen und tristen Rohbau. Hier findet meine verzweifelte Suche nach einer barrierefreien Wohnung ihr Ende.

Betonwand
Mitten in Beton und Staub zerplatzt der Traum von der eigenen Wohnung in einer Großstadt. (Foto: Pexels/Lum3n)

Diese Wohnung – eine Vernunftentscheidung 

Was anderes hat sich nicht ergeben, ich habe monatelang gesucht und mir viele Optionen angesehen. Doch immer gab es einen Haken. Die Suche nach einer barrierefreien Wohnung ist eine extrem herausfordernde Reise. Die Mietpreise in den Städten sind oft sehr hoch. Und bei meiner Suche stimmten die Informationen sowie Bilder auf Wohnungs-Plattformen selten mit der Realität überein. 

Herausforderungen auf der verzweifelten Wohnungssuche

Ein treffendes Beispiel gefällig? Beim Besuch einer interessant klingenden Wohnung, die als barrierefrei angepriesen worden war, fielen mir direkt die Stufen auf, die den Zugang erschwerten. Zudem machte mir das fehlende Geländer vor der Haustüre große Sorgen.

Drinnen angekommen, stellte ich fest, dass es keine Dusche gab. Stattdessen war eine Wanne vorhanden, über die ich unmöglich steigen konnte – eine nahezu unüberwindbare Hürde für mich. Solche Barrieren machen eine Wohnung schnell unattraktiv für Menschen wie mich.

Ein weiteres Beispiel war eine Immobilie, die anfangs vielversprechend klang, jedoch außerhalb der Stadt lag. Obwohl ich dachte, die Lage könnte akzeptabel sein, wurde mir schnell klar, dass die fehlenden Verkehrsanbindungen meinen Alltag stark einschränken würden. 

Barrierefreiheit und Mietpreise als Schlüsselfaktoren 

Wenn ich mal eine barrierefreie Wohnung entdeckt hatte, war sie zu teuer. Die hohen Mietpreise trägt das Amt nicht – darauf bin ich aber angewiesen. Schließlich haben  meine Eltern in einem Gebiet investiert und für mich eine Neubauwohnung gekauft – eine Möglichkeit, die leider nicht jedem zur Verfügung steht.

Umzugskarton wird mit transparentem Klebeband verschlossen.
Als die Wohnung fertig ausgebaut war, habe ich mich darin ausgebreitet und meine ganzen Sachen dort hingebracht. So fühle ich mich langsam zuhause. (Foto: Pexels/Karolina Grabowska)

Ich lebe nun in einer 47 m² großen Wohnung, dem Amt sind das zwei Quadratmeter zu viel. Menschen mit Behinderung dürfen in meiner Gemeinde nur 45 m² Wohnfläche beanspruchen. Daher habe ich ein weiteres Mal Glück: Durch die Unterstützung meiner Eltern für diese Wohnung kann ich mir auch die zwei Quadratmeter mehr leisten. Ohne die Unterstützung wäre ich völlig aufgeschmissen, denn die Ämter kümmert es meinem Eindruck nach nicht, ob ich mit meinen Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Sie sehen oft nur das Geld und nicht die menschlichen Bedürfnisse. 

Suche nach einer barrierefreien Wohnung beendet – doch das reicht noch nicht 

Am Anfang fiel es mir schwer, mich in meiner neuen Wohnung zurechtzufinden. Als meine Bilder an den Wänden hingen und ich für das Wohnzimmer und das Esszimmer eine Lampe gekauft hatte, entstand aber nach und nach ein vertrautes Ambiente. Als ich öfters übernachtete, und begann, die Küche einzurichten fühlte ich mich langsam zu Hause. 

Doch mir wurde klar, dass die Gestaltung der Wohnung nicht ausreicht, um den Traum eines selbstbestimmten Lebens zu verwirklichen. Ich brauche im Alltag Assistentinnen bei ziemlich vielen Aufgaben. Und solange das Team nicht richtig arbeitet, bleibt eine gewisse Sorge als Mitbewohnerin präsent. Es ist die Unterstützung, die letztendlich entscheidend ist, um wirklich anzukommen und mein neues Lebensgefühl zu genießen. Also suche ich weiter nach zuverlässigen Assistentinnen für mein Team. Warum das so schwierig ist, welche Auflagen die Suche erschweren und wofür ich überhaupt Hilfe brauche, das erzähle ich Euch bald in meinem nächsten Text. 

Wenn es in mir brodelt

Gedankensplitter aus verschiedenen Phasen.

Es ist wie Fahrradfahren ohne Stützräder, das Lumpenpack von Arbeitsamt. Vielmehr steckt es einen in die Manufaktur, anstatt einen Raum für Menschen zu schaffen für sich nach mehr sehnen und Ziele bis ins Unermessliche anstreben.

Das Landratsamt ist weder Freund noch Feind. Sie reichen dir die Hand, lächeln dir ins Gesicht. hinter den Kulissen werden Gelder hin und her geschoben. Jeder spart wo er/sie kann.

Verblasst sind die Narben auf meiner Haut. Schluss mit den Strapazen während der Ausbildung. Kein Fluss aus Tränen mehr. Kein Blut das an meiner Klinge klebt.

Mein Alltag damals und heute im Jahr 2022

Etliche Ehrenamtliche sind mir in mein Leben in den letzten 5 Jahren eine Stütze gewesen. Die einen mehr, die anderen weniger. Besonders Rina, die mich 3 Jahre lang begleitete, meine Entwicklung miterlebte und mich tatkräftig unterstützte.

Seit 5 Jahren werden die Ehrenamtlichen von meinen Eltern finanziert. Sie helfen mir bei vielen Sachen, zum Beispiel im Haushalt, bei Erledigungen, begleiten mich zum Sport oder in der Freizeit. Für diese Dienstleistungen zahlen meine Eltern monatlich mehrere Hundert Euro.

Zu Beginn des Jahres 2017 fing es mit den Ehrenamtlichen an, damals ging es nur um Freizeitbeschäftigung. Endlich raus und etwas zu unternehmen. Nichtsdestotrotz machte ich in dieser Phase die Erfahrung, dass es immer noch Schwachpunkte in meinem Alltag gab. Nichts war in Ordnung.

Die Werkstatt schlauchte, und die Wäsche blieb liegen. Alles habe ich mit der rechten Hand bewerkstelligt. Der Wäschekorb kam auf den Servierwagen, die Kleidung in den Korb und dann fuhr ich mit dem Fahrstuhl hinab in den Waschraum. Um die Angaben auf dem Display an der Maschine lesen zu können, trat ich so dicht an die Maschine, dass meine Augen beinahe rausflogen und meine Nase ganz plattgedrückt wurde. Beim Versuch, den Wäscheständer aufzustellen, knallte er erst ein paar Mal auf den Boden, bevor es endlich klappte. Schlussendlich schaffte ich es, die Kleidung aufzuhängen und später zerknüllt in den Kleiderschrank zu legen. Schön ist anders!

Mir im Wohnheim, wenn ich neuen Sprudel brauchte, die einzelnen Flaschen zu holen, statt dass mir jemand einen neuen Kasten tragen half, gab mir den Rest. Als ich im Oktober 2019 aus einem Wohnheimzimmer in ein Apartment innerhalb des Wohnheims gezogen bin, waren die Ehrenamtlichen die Rettung für mich.

In dieser Etappe meines Lebens wurde ich auf die vegane Ernährung aufmerksam und fing an, Sport zu machen. Durch Rina lernte ich Dietrich kennen, der ab sofort mit mir Schwimmen und Laufen gehen und das Kochen übernehmen sollte. Zwei mal die Woche brach ich ins Hallenbad zum Schwimmen auf, erkundete regelmäßig die Natur, kochte ausgiebig und genoss die Auslastung meines Körpers nach dem Sport. Wenngleich beim Kochen einiges nicht ganz rund verlief, bereitete es mir Freude.

Die Herausforderung dabei war: Um das Gemüse zu schnippeln, muss ich mich nah ans Messer beugen, um möglichst gut zu sehen. Ich sitze mit gebückter Körperhaltung da. Der Ablauf bereitete mir furchtbare Rückenschmerzen, wodurch das Kochen auf Dauer nicht mehr so berauschend war. Dietrich verbrachte die Zeit abgesehen vom Gemüseschneiden hauptsächlich am Herd. Dietrich kochte profihaft im Vergleich zu seinen Nachfolgern, die mir begegnet sind.

Sobald ich in der Küche allein am Werk war, sah das ganze komplett anders aus! Verbranntes Essen auf dem Herd, brodelndes Wasser, das überkochte. Auch der Feuermelder war häufig  im Einsatz.  Eine Reihe von Töpfen und Pfannen im Auge zu behalten , verlangte  mir einiges ab. Erst wenn alles schon zu spät war, bemerkte ich, dass das Wasser überkochte. Es spritzte  von allen Seiten.

Mit Ach und Krach konnte ich mit der rechten Hand den Topf vom Herd ziehen. Doch der Schock stand mir ins Gesicht geschrieben. Auch wenn mich die Lust auf Pfannkuchen packte, brannte bereits beim zweiten Durchgang der Teig an.  Der Feueralarm läutete, und alle Bewohner durften erstmal das Gebäude verlassen.

In meinem Team der Ehrenamtlichen kommt es natürlich immer mal wieder zu einem Wechsel infolge eines stressigen Studiums, eines Umzugs oder sonstiger geänderter Lebensumstände.

Durch Corona ist es viel schwieriger geworden, an neue Leute zu kommen. Währenddessen kassiert das Wohnheim weiterhin für mein Zimmer eine hohe Summe, und die Mitarbeiter machen das für mich, was sie am besten können, nämlich NICHTS.

Seit 2016 wohne ich in dem Wohnheim. Durch die Ehrenamtlichen geht es mir zwar psychisch etwas besser als in der Zeit, als ich noch selbstverletzendes Verhalten (SVV) an den Tag gelegt habe. Dennoch bekomme ich hin und wieder das Heulen. Viele Leute wünschen sich, mal nichts zu tun zu haben, ich wünsche mir nichts sehnlicher als zu arbeiten, mich auszuleben und zwar nach meinen Vorstellungen. Meine Nerven liegen öfters blank, wenn Ehrenamtliche plötzlich ausfallen, weil sei krank sind, auf der Arbeit für Kollegen einspringen oder sich auf eine Prüfung im Studium vorbereiten müssen. Wenn zum Beispiel ein Termin zum gemeinsamen Kochen geplatzt ist, kann es auch passieren, dass nichts zum Essen für mich da ist.

Schließlich läuft die Beauftragung noch nicht über das persönliche Budget (dazu berichte ich in einem nächsten Blogeintrag mehr) und nicht jede/r freiwillige Helfer/in ist gleich engagiert. Es gehört auch ein Quäntchen Glück dazu, die richtigen Leute zu finden.

Jetzt im Jahr 2022 besteht das Team aus sieben Leuten. Unterstützung erhalte ich bei Alltags- und Freizeitgestaltung und im Bereich Management. Ich mache mit einer Ehrenamtlichen den Dienstplan für den ganzen Monat, bestelle meine Lebensmittel mit ihr in einem Supermarkt, erledige Behördenangelegenheiten mit ihr und erhalte Unterstützung bei der Wohnungssuche – also Hilfe im ganz normalen Wahnsinn des Alltags.

Vier Leute vom Team unterstützen mich im Haushalt (vor allem beim Kochen)  und begleiten mich in der Freizeit.

Die letzten beiden sind aktiv beim Sport dabei, was Schwimmen und Wandern betrifft, sowie bei der Gestaltung meines Blogs.

Das alles so zu organisieren, war nicht einfach. Aber sehr wichtig für mich. Aufgeben kommt  für mich nicht infrage. Ende 2021/Anfang 2022 bin ich auf der Suche nach einem neuen zu Hause. Das könnte ein inklusives Wohnprojekt oder eine stinknormalen WG sein. Am liebsten in einer Großstadt.

Sollte ich dieses Ziel bis Anfang 2023 nicht erreicht haben, werden mir die Gelder gestrichten – und ob ich will oder nicht, ginge es dann zurück nach Hause zu Mami und Dady. Mit 32 ist das alles andere als ne geile Sache! Das wäre für mich der absolute Super-GAU.

Mit viel Glück komme ich endlich aus dem Wohnheim raus – und parallel werde ich eine Schulung beginnen. Die mich hoffentlich auch beruflich voran bringt.

Ich und meine Wenigkeit, aufgenommen in München im April 2022.

Ich und meine Wenigkeit

Mein Name ist Franziska Spitz. Ich bin 32 Jahre alt und lebe seit 2012 mit einer Seh- und Geheinschränkung infolge einer Hirnblutung im Stammhirn.

Auf meinem  Weg in Richtung Freiheit möchte ich euch mitnehmen, raus aus dem Wohnheim und rein ins selbstbestimmte Leben.

Um diesen Weg zu beschreiten, musste ich auch den Blick zurück richten auf eine schwierige Zeit, die mir aber die Augen geöffnet hat, wie ich nicht leben möchte. Die mir gezeigt hat, wie wichtig es mir ist, selbst über die Richtung bestimmen zu können, in die sich mein Leben entwickelt.

Wo soll ich anfangen? Ich kenne das Gefühl der Einsamkeit, verletzt am Boden zu liegen und von seinen Mitmenschen enttäuscht zu werden.

Von den Betreuern im Wohnheim nicht ernst genommen, suchte ich mir Ehrenamtliche zur Unterstützung für meinen Alltag. Deren Dienstleistung wird seit 5 Jahren von meinen Eltern finanziert.

Selbstverletzendes Verhalten (SVV) aufgrund von Unterforderung in der Behindertenwerkstatt.

Ein paar Wochen in der Psychiatrie brachten Klarheit.

Abbruch der Behindertenwerkstatt war der erste Schritt. Statt Frust und Schokolade bestimmt seither Aktivität meinen Alltag: 2 x die Woche gehe ich Schwimmen sowie 1x die Woche Laufen. Zum Sport kam die vegane Ernährung.

Städtetouren, Festivals und Kneipentouren gehören zur Freizeitgestaltung dazu.

Ich genieße nach dem Sport die körperliche Auslastung, die ich davor lange nicht erleben durfte, weil solche Aktivitäten wie Wandern oder Schwimmen im Wohnheim nicht vorgesehen sind. Immer wieder konnte jetzt auch wieder mein Humor aufblitzen.

Doch all das brachte mir keine Erfüllung. So suchte ich mir eine Sozialarbeiterin und beantragte ein persönliches Budget, um langfristig aus dem Wohnheim rauszukommen. Ich möchte in einer eigenen Wohnung oder einem WG-Zimmer in einer Wohngemeinschaft leben.

Das wird also Schritt 2 in die Freiheit.

Ich habe es satt, dass Lehrer und Betreuer mir nichts zutrauen, sondern erwarten, dass ich Herausforderungen NICHT meistern kann und gewisse Ziele NIE erreiche.

Um finanzielle Freiheit zu erlangen, beginne ich 2022 eine Schulung bei Quikstepp, die speziell  für Blinde und Seheingeschränkte angeboten wird.